
Kukuruz, Polenta, Masa: warum Maismehl keine Tortilla wird
Polenta, Maismehl, Masa harina, P.A.N.: was der Unterschied ist, warum nur nixtamalisierter Mais Tortillas ergibt und welcher Kukuruz wofür taugt.
Kurz gesagt
Wer in Österreich zum ersten Mal Maistortillas selbst machen will, greift oft zu Polenta oder Maismehl aus dem Supermarkt – und scheitert. Der Teig hält nicht zusammen, die Fladen brechen, und der Geschmack stimmt auch nicht. Der Grund ist ein einziger Verarbeitungsschritt, den die mexikanische Küche seit Jahrtausenden kennt: die Nixtamalisation. Nur Mais, der in einer alkalischen Lösung gekocht wurde, ergibt die Masa, aus der Tortillas, Tamales, Sopes und Tlacoyos gemacht werden. Dieser Artikel erklärt den Unterschied und sagt, welcher Mais – oder Kukuruz, wie man in Österreich oft sagt – für welches mexikanische Gericht taugt.
Kukuruz ist Mais – aber nicht jeder Mais ist gleich
„Kukuruz“ ist in Österreich ein gebräuchliches Wort für Mais, auf dem Feld wie in der Küche. Botanisch ist es dieselbe Pflanze, die in Mexiko domestiziert wurde. Für die Küche entscheidend sind aber zwei Unterscheidungen: die Sorte und die Verarbeitung.
- Zuckermais ist der süße Mais aus Dose, Tiefkühlregal oder frisch als Kolben. Er wird jung geerntet und gekocht oder gegrillt gegessen.
- Körnermais wird reif und trocken geerntet und zu Grieß, Mehl, Stärke oder Futter verarbeitet. In Mexiko ist es dieser trockene Mais, aus dem Tortillas entstehen – allerdings erst nach der Nixtamalisation.
Weiß, gelb, blau
In Mexiko gibt es Mais in vielen Farben. Weißer Mais ist für Tortillas besonders verbreitet, gelber kommt ebenfalls häufig vor, und blauer Mais gilt als Spezialität für Tlacoyos, Quesadillas und Tortillas mit etwas kräftigerem, leicht nussigem Geschmack. Auch bei Masa harina werden diese Farben angeboten. Für den Anfang ist weiße Masa harina die vielseitigste Wahl; die anderen Farben sind eher eine Frage von Geschmack und Optik als von Technik.
Was Nixtamalisation ist
Bei der Nixtamalisation werden getrocknete Maiskörner in Wasser mit Calciumhydroxid (spanisch cal, gelöschter Kalk) gekocht und danach eine Weile in dieser Lösung stehen gelassen. Anschließend werden die Körner gewaschen und zu einem Teig gemahlen. Das Wort stammt aus dem Nahuatl.
Dieser Schritt verändert den Mais grundlegend:
- Die Schale löst sich: Die harte äußere Haut des Korns wird weich und lässt sich abwaschen.
- Der Teig wird formbar: Die Stärke und die Eiweiße des Korns verändern sich so, dass die gemahlene Masse zusammenhält und sich dünn pressen lässt.
- Geschmack und Duft: Nixtamalisierter Mais riecht und schmeckt unverwechselbar – genau das, was man an einer frischen Maistortilla erkennt.
- Ernährung: Die Behandlung macht das im Mais enthaltene Niacin (Vitamin B3) für den Körper verfügbar. Wo Mais ohne Nixtamalisation zum Hauptnahrungsmittel wurde, trat historisch die Mangelkrankheit Pellagra auf.
Polenta, Maisgrieß, Maismehl: warum sie nicht funktionieren
Polenta und Maisgrieß sind gemahlener, getrockneter Mais ohne Nixtamalisation. Mit Wasser angerührt ergeben sie einen Brei, keinen formbaren Teig. Dasselbe gilt für das meiste „Maismehl“ aus dem Supermarktregal, das in Österreich vor allem für Brot, Gebäck oder zum Binden verkauft wird. Maisstärke ist reine Stärke und hat mit Masa nichts zu tun.
Das heißt nicht, dass Polenta in der mexikanischen Küche nutzlos wäre. Für einen süßen Maiskuchen kann sie in manchen Rezepten funktionieren. Aber für Tortillas, Tamales oder Sopes ist sie ungeeignet.
Masa harina: die praktische Lösung
Die meisten Menschen außerhalb Mexikos machen Tortillas nicht aus frisch nixtamalisiertem Mais, sondern aus Masa harina: nixtamalisierter Mais, getrocknet und fein gemahlen. Man rührt sie mit warmem Wasser und Salz an, und nach kurzem Ruhen lässt sich der Teig pressen. In Österreich ist Masa harina vor allem in Fachgeschäften und online erhältlich; der Webshop von Casa Mexico führt zum Beispiel (Stand 23. Oktober 2026) Masa harina von Maseca sowie nixtamalisierte Mehle der Marke Hari Masa in weißer, gelber und blauer Variante. Mehr zu Marken, Mengen und Verarbeitung steht in unserem Artikel über Masa harina in Österreich.
Achtung bei P.A.N.
Ein häufiger Fehlkauf: vorgekochtes Maismehl für Arepas, bekannt unter der Marke P.A.N. Es ist für die venezolanische und kolumbianische Küche gedacht, ist nicht nixtamalisiert und ergibt keine mexikanischen Tortillas. Auf der Packung steht meist „harina de maíz precocida“; Masa harina erkennt man dagegen an Begriffen wie „nixtamalizado“ oder „para tortillas“.
Selbst nixtamalisieren in Österreich
Wer es ganz genau wissen will, kann Mais selbst nixtamalisieren. Dafür braucht man getrockneten Körnermais und lebensmitteltaugliches Calciumhydroxid (Zusatzstoff E 526). Kalk aus dem Baumarkt ist dafür nicht geeignet, weil er nicht für Lebensmittel bestimmt ist. Calciumhydroxid ist ätzend: Hautkontakt und Spritzer in die Augen vermeiden, beim Abmessen vorsichtig sein. Das Mahlen der gekochten Körner zu feiner Masa ist ohne Steinmühle die eigentliche Hürde; ein normaler Mixer schafft es nur grob.
Für den Anfang ist Masa harina deshalb die realistischere Wahl. Rezept für die Tortillas selbst: Handgemachte Maistortillas.
Welcher Mais für welches Gericht
| Gericht | Mais | Bezugsquelle in Österreich |
|---|---|---|
| Tortillas, Sopes, Tlacoyos, Gorditas | Masa aus nixtamalisiertem Mais | Masa harina, Fachhandel/online |
| Tamales | Masa für Tamales (gröber) | Masa harina, spezielle Tamal-Mehle |
| Pozole | große, nixtamalisierte Körner (cacahuazintle) | „Maíz pozolero“ in Dose, Fachhandel/online |
| Esquites, Elotes | frischer Kolben oder Körner | Zuckermais aus dem Supermarkt |
| Atole, Champurrado | Masa oder Masa harina | Masa harina |
Esquites und Elotes mit Zuckermais
In Mexiko werden Elotes meist aus stärkereicherem, weniger süßem Mais gemacht als der Zuckermais, der in Österreich verkauft wird. Trotzdem funktionieren gegrillte Kolben mit Mayonnaise, Käse, Chilipulver und Limette auch mit heimischem Zuckermais sehr gut, ebenso die Körner im Becher als Esquites. Frische Kolben gibt es vor allem im Spätsommer. Rezepte: Elote Preparado und Esquites.
Pozole
Für Pozole braucht man große, bereits nixtamalisierte Körner, die beim Kochen aufplatzen wie kleine Blüten. Mit Zuckermais oder Kichererbsen lässt sich das nicht nachbauen. Im Casa-Mexico-Webshop sind solche Körner unter Namen wie „Maíz Pozolero Blanco“ und „Maíz Blanco“ gelistet. Rezept: Pozole Rojo.
Getränke und Süßes aus Mais
Aus Masa werden in Mexiko auch warme Getränke gemacht: Atole, mit Wasser oder Milch und Zucker angedickt, und Champurrado, dieselbe Idee mit Schokolade. Für die kalte Jahreszeit passen sie gut nach Österreich. Rezepte: Champurrado und Atole de Elote mit Zimt.
Zusammengefasst
- Polenta, Maisgrieß und gewöhnliches Maismehl sind nicht nixtamalisiert und ergeben keine Tortillas.
- Masa harina ist der praktische Weg zu Tortillas und Tamales; P.A.N. ist es nicht.
- Zuckermais taugt für Elotes und Esquites, nicht für Teig.
- Für Pozole braucht man spezielle, nixtamalisierte Körner.
Wer lieber fertige Tortillas kauft, findet im Artikel über Tortillas kaufen in Österreich Hinweise, wie man auf dem Etikett erkennt, ob echter nixtamalisierter Mais drin ist.

Gründer, Recetas Mexas
Mexikaner aus Puebla, IT-Profi und Foodie. Autor von über 1.000 authentischen mexikanischen Rezepten, angepasst für Küchen auf der ganzen Welt. Lebt seit 2018 in Madrid.
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