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Fisolen, Karfiol, Kürbis: heimisches Gemüse auf Mexikanisch
Recetas

Fisolen, Karfiol, Kürbis: heimisches Gemüse auf Mexikanisch

23. Okt. 20265 Min. Lesezeit(Aktualisiert: 23. Okt. 2026)

Ejotes mit Ei, Karfiol im Teigmantel, Calabacitas, Zucchiniblüten-Quesadillas: mexikanische Gerichte mit Gemüse, das in Österreich wächst.

Kurz gesagt

Mexikanisch kochen heißt nicht automatisch, nach exotischen Zutaten zu suchen. Ein guter Teil der mexikanischen Alltagsküche besteht aus Gemüse, das auch in österreichischen Gärten, auf Bauernmärkten und im Supermarkt zu finden ist: grüne Bohnen, Karfiol, Zucchini, Kürbis, Mangold. Was anders ist, sind die Kombinationen – mit Chili, Paradeisern, Zwiebel, Ei und Tortilla. Dieser Artikel stellt mexikanische Gerichte vor, für die Sie mit heimischem Gemüse fast alles schon im Haus haben, und sagt dazu, wann das Gemüse bei uns Saison hat.

Die Grundtechnik: Zwiebel, Paradeiser, Chili

Viele der folgenden Gerichte beginnen gleich. Zwiebel und Knoblauch werden in etwas Öl oder Schmalz glasig gedünstet, dann kommen gewürfelte Paradeiser und frischer grüner Chili dazu, bis alles zu einer kurzen, saftigen Sauce eingekocht ist. In diese Basis – in Mexiko oft einfach a la mexicana genannt, weil Rot, Weiß und Grün an die Landesfarben erinnern – gibt man das jeweilige Gemüse und gart es fertig. Wer diese Technik beherrscht, kann fast jedes Sommergemüse auf mexikanische Art zubereiten: Fisolen, Zucchini, Mangold oder Erdäpfelwürfel.

Zum Würzen reichen Salz und manchmal ein Zweig Koriander oder Epazote. Kreuzkümmel, der in vielen Tex-Mex-Rezepten dominiert, spielt in diesen einfachen Gemüsegerichten meist keine große Rolle. Serviert wird mit warmen Maistortillas, Bohnen und einer Salsa am Tisch.

Fisolen: Ejotes

Grüne Bohnen heißen in Mexiko ejotes – ein Wort aus dem Nahuatl. Ein klassisches einfaches Gericht sind ejotes con huevo: kurz gekochte, in Stücke geschnittene Fisolen, in der Pfanne mit Zwiebel, Paradeiser und etwas grünem Chili angebraten, dann mit verquirlten Eiern gestockt. Dazu gibt es warme Tortillas und Salsa. Ebenso häufig werden Fisolen in einer leichten Paradeisersauce geschmort oder in Suppen gegeben.

Fisolen aus heimischem Anbau gibt es vor allem im Sommer. Wichtig ist, sie nicht zu weich zu kochen: Sie sollen in der Pfanne noch etwas Biss haben. Wer das Gericht als Taco-Füllung verwendet, schneidet die Bohnen kleiner, damit sie in der Tortilla halten.

Karfiol: vom Teigmantel bis zum Taco

Coliflor capeada

In der Fastenzeit, wenn viele katholische Familien in Mexiko auf Fleisch verzichten, wird Karfiol gerne capeada zubereitet: Röschen werden vorgekocht, oft mit Käse gefüllt oder zusammengesetzt, in einen lockeren Eiteig getaucht, frittiert und dann in einer dünnen Paradeiser-Chili-Brühe serviert. Die Technik ist dieselbe wie bei den bekannteren chiles rellenos. Wer Karfiol in Bierteig aus der österreichischen Küche kennt, hat einen guten Teil der Arbeit schon im Griff; der Unterschied liegt im Eischnee-Teig und in der Sauce.

Karfiol-Tacos

Deutlich jünger sind Tacos, bei denen Karfiol die Rolle des Fleisches übernimmt: im Ofen geröstet und in einer Al-pastor- oder Adobo-Marinade gewürzt. Rezepte: Tacos mit Karfiol al Pastor, Tacos mit Karfiol adobado und Carnitas aus Karfiol. Diese Gerichte sind ausdrücklich vegetarische Neuinterpretationen, keine alten Rezepte – aber sie funktionieren sehr gut, weil Karfiol beim Rösten Farbe und Röstaromen bekommt.

Heimischen Karfiol gibt es von Sommer bis in den Herbst; außerhalb dieser Zeit ist er im Handel meist importiert.

Zucchini: Calabacitas

Die mexikanische calabacita ist ein junger Sommerkürbis, der unserer Zucchini sehr nahe kommt; in Mexiko ist oft eine hellgrüne, rundlichere Sorte üblich. Das Gericht calabacitas – Zucchini mit Mais, Paradeiser, Zwiebel, grünem Chili und manchmal Käse oder Rahm – ist eine typische Beilage oder Taco-Füllung. Mit Zucchini aus dem eigenen Garten, die im Sommer gerne in großen Mengen anfallen, ist das eine sinnvolle Verwertung. Rezept: Calabacitas mit Mais.

Zucchiniblüten: Flor de calabaza

Die Blüten des Kürbisses sind in Zentralmexiko eine beliebte Zutat, vor allem in Quesadillas und Suppen. In Österreich sind Zucchiniblüten im Sommer manchmal auf Bauernmärkten zu bekommen – und wer selbst Zucchini anbaut, hat sie ohnehin. Die Blüten sind empfindlich und sollten am Tag der Ernte verwendet werden. Stempel bzw. Staubgefäße herauszupfen, kurz ausschütteln, nicht waschen, wenn es sich vermeiden lässt.

Rezepte: Kürbisblüten-Quesadillas und Kürbisblüten-Suppe. Außerhalb der Saison gibt es Kürbisblüten aus der Dose; der Webshop von Casa Mexico listet zum Beispiel „Flor de Calabaza“ der Marke San Miguel (Stand 23. Oktober 2026). Sie sind weicher als frische Blüten, für Quesadillas aber brauchbar.

Ein Beispiel aus einem österreichischen Lokal: TULA in Allhartsberg (Angerholz 20, Niederösterreich) führt auf seiner in unserem Verzeichnis erfassten Speisekarte eine Quesadilla de Flor de Calabaza; einen Preis haben wir für dieses Gericht nicht erfasst.

Kürbis: süß und herzhaft

Der Kürbis selbst hat in Mexiko eine lange Geschichte. Herbstlich und süß ist calabaza en tacha: Kürbisstücke, langsam in Piloncillo-Sirup (unraffiniertem Rohrzucker) mit Zimt gegart. Das Gericht gehört in vielen Familien zum Día de Muertos Anfang November. Mit österreichischem Speisekürbis aus dem Herbst funktioniert es gut; Piloncillo lässt sich, wenn man ihn nicht bekommt, durch dunklen Rohrzucker ersetzen, auch wenn der Geschmack etwas abweicht. Rezept: Calabaza en Tacha.

Herzhaft passt Kürbis in Enchiladas mit milder Ancho-Chili-Sauce oder in eine Suppe mit gerösteten Poblano-Streifen: Enchiladas mit Butternusskürbis und Chile Ancho und Kürbissuppe mit Rajas. Und die Kerne? Die gehören in einen Pipián – siehe unseren Artikel über steirische Kürbiskerne in Pipián und Sikil P'ak.

Mangold und anderes Blattgemüse

In Mexiko werden zahlreiche Blattgemüse und Wildkräuter gegessen, die hierzulande schwer zu bekommen sind, etwa Quelites oder Chaya. Mangold ist ein brauchbarer heimischer Vertreter: Er kommt in Tamales, Quesadillas oder in Brühen. Rezept: Tamales mit Mangold. Auch Spinat kann in vielen Rezepten verwendet werden, die nach grünem Blattgemüse verlangen. Ein einfacher Einstieg: Mangoldblätter grob schneiden, in der Zwiebel-Paradeiser-Basis zusammenfallen lassen und mit etwas Käse in eine Quesadilla falten.

Saisonübersicht

GemüseHeimische Hauptsaison (grob)Mexikanische Verwendung
FisolenSommerEjotes con huevo, Suppen, Schmorgerichte
Zucchini und BlütenSommerCalabacitas, Quesadillas, Suppe
KarfiolSommer bis HerbstColiflor capeada, Karfiol-Tacos
SpeisekürbisHerbstCalabaza en tacha, Suppe, Enchiladas
MangoldFrühsommer bis HerbstTamales, Quesadillas, Brühen

Die Angaben sind grobe Richtwerte; je nach Region, Witterung und Anbau unter Folie verschieben sie sich.

Was wenig mexikanisch ist

Nicht jedes Gemüse aus dem österreichischen Garten hat eine mexikanische Tradition. Kohlsprossen oder Kohlrabi etwa spielen in der mexikanischen Küche kaum eine Rolle. Das heißt nicht, dass man sie nicht mit Salsa verde oder Chipotle kombinieren dürfte – nur sollte man solche Teller nicht als traditionell ausgeben. Mehr Gemüseideen, besonders für Herbst und Winter, finden Sie im Artikel über Schwammerl in der mexikanischen Küche.

Edmond Bojalil
Edmond Bojalil

Gründer, Recetas Mexas

Mexikaner aus Puebla, IT-Profi und Foodie. Autor von über 1.000 authentischen mexikanischen Rezepten, angepasst für Küchen auf der ganzen Welt. Lebt seit 2018 in Madrid.

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