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Día de Muertos und Allerheiligen: zwei Arten zu gedenken
Cultura

Día de Muertos und Allerheiligen: zwei Arten zu gedenken

23. Okt. 20265 Min. Lesezeit(Aktualisiert: 23. Okt. 2026)

Ofrenda, Pan de muerto, Cempasúchil: was am mexikanischen Totentag passiert, wo er Allerheiligen ähnelt und wie man in Österreich eine Ofrenda gestaltet.

Kurz gesagt

Am 1. und 2. November gedenken Menschen in Österreich wie in Mexiko ihrer Verstorbenen – und doch fühlen sich die beiden Feste ganz unterschiedlich an. Zu Allerheiligen gehen österreichische Familien auf den Friedhof, schmücken die Gräber und zünden Grablichter an. Der mexikanische Día de Muertos verbindet ebenfalls Friedhof und Kerzen, ist aber zugleich ein Familienfest mit Essen, Musik und leuchtend orangefarbenen Blumen: Man geht davon aus, dass die Verstorbenen in diesen Tagen zu Besuch kommen. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Elemente, zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede und gibt praktische Hinweise, wie man in Österreich eine eigene ofrenda gestaltet und was man dafür kocht.

Zwei Kalender, gleiche Tage

ÖsterreichMexiko
1. NovemberAllerheiligen, gesetzlicher Feiertag; traditionell Gräberbesuchin vielen Regionen den verstorbenen Kindern gewidmet
2. NovemberAllerseelen, kein gesetzlicher Feiertagden verstorbenen Erwachsenen gewidmet
OrtFriedhof, FamiliengrabHausaltar (ofrenda) und Friedhof
Stimmungstill, besinnlichbesinnlich und festlich zugleich

Beide Feste gehen auf den katholischen Festkalender zurück. In Mexiko haben sich darin Vorstellungen aus vorspanischer Zeit erhalten, etwa der Gedanke, dass die Toten zurückkehren und bewirtet werden. Die UNESCO hat die indigene Festlichkeit zum Totengedenken in Mexiko in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Die Ofrenda: ein Altar für die Besucher

Herzstück des Día de Muertos ist die ofrenda, ein Gabentisch im Haus. Sie ist kein Grab und kein Kirchenaltar, sondern ein Empfang für die verstorbenen Familienmitglieder. Typische Elemente:

  • Fotos der Verstorbenen, denen die Ofrenda gewidmet ist.
  • Kerzen, die den Weg weisen sollen.
  • Cempasúchil, die orangefarbene Studentenblume (Tagetes), deren Farbe und Duft die Toten leiten sollen; oft werden Blütenblätter als Weg gestreut.
  • Wasser gegen den Durst nach der langen Reise und Salz.
  • Papel picado, kunstvoll ausgeschnittenes Seidenpapier.
  • Pan de muerto und Zuckerschädel (calaveritas).
  • Die Lieblingsspeisen und -getränke der Verstorbenen: ein Mole, Tamales, eine bestimmte Süßigkeit, ein Glas Tequila oder ein Kaffee.
  • Oft Copal, ein Räucherharz.

Gerade der letzte Punkt mit den Lieblingsspeisen macht jede Ofrenda persönlich. Es geht nicht um ein festes Menü, sondern um Erinnerung: Was hat die Großmutter gern gegessen? Was hat der Vater immer getrunken?

Auf dem Friedhof

Neben der Ofrenda zu Hause ist auch in Mexiko der Friedhof ein zentraler Ort. Familien säubern die Gräber, schmücken sie mit Cempasúchil und Kerzen und bleiben oft lange dort – in manchen Regionen, etwa rund um den Pátzcuaro-See in Michoacán, wird die Nacht am Grab verbracht, mit Essen, Gesprächen und manchmal Musik. Hier liegt vielleicht der deutlichste Unterschied zum österreichischen Gräberbesuch: Man kommt nicht nur, um still zu gedenken, sondern auch, um gemeinsam Zeit mit den Verstorbenen zu verbringen. Die Gemeinsamkeit ist ebenso deutlich: geschmückte Gräber, Licht in der Dunkelheit und das Gefühl, dass die Familie an diesen Tagen zusammenkommt.

Eine Ofrenda in Österreich gestalten

Wer in Österreich eine Ofrenda aufbauen möchte – aus mexikanischer Familientradition oder aus Interesse –, findet das meiste im Handel:

  • Tagetes ist hierzulande als Studentenblume eine verbreitete Garten- und Balkonpflanze. Ende Oktober sind die Gärten oft schon abgeblüht; in Gärtnereien und Blumengeschäften kann man nachfragen. Andere orangefarbene oder gelbe Blumen sind ein guter Ersatz, wenn es keine Tagetes gibt.
  • Kerzen: Grablichter, die es rund um Allerheiligen überall gibt, eignen sich gut. Kerzen nie unbeaufsichtigt brennen lassen, vor allem in der Nähe von Papierschmuck.
  • Papel picado kann man aus Seidenpapier selbst schneiden; das ist eine gute Beschäftigung mit Kindern.
  • Fotos und persönliche Gegenstände: Sie sind das Wichtigste.

Für Menschen ohne mexikanischen Familienhintergrund lohnt es sich, die Ofrenda nicht als Dekoration zu verstehen, sondern so, wie sie gemeint ist: als Gedenken an Menschen, die einem nahestanden. Dann fügt sie sich auch gut in das österreichische Allerheiligen ein.

Was man kocht

Pan de muerto

Das „Brot der Toten“ ist ein süßes, oft mit Orangenblüte oder Orangenschale aromatisiertes Hefegebäck mit Teigstreifen in Form von Knochen auf der Oberseite, bestreut mit Zucker. Wer in Österreich mit Germteig umgehen kann, hat es leicht. Rezept: Pan de Muerto.

Eine Parallele drängt sich auf: der Allerheiligenstriezel, ein geflochtenes Germteiggebäck, das in Teilen Österreichs zu Allerheiligen verschenkt wird, traditionell von Paten an ihre Patenkinder. Beide Gebäcke gehören zum Totengedenken Anfang November. Eine gemeinsame Herkunft ist damit nicht gemeint – es sind zwei eigenständige Traditionen, die sich in der Idee eines besonderen Brotes für diesen Tag treffen.

Calaveritas de azúcar

Kleine Totenköpfe aus Zucker, bunt verziert und oft mit einem Namen beschriftet, gehören auf viele Ofrendas. Sie sind eher Schmuck als Nachspeise. Rezept: Calaveritas de Azúcar.

Kürbis, Mole, Tamales

Ein typisches Herbstgericht zum Día de Muertos ist calabaza en tacha, Kürbis in Piloncillo-Sirup: Rezept. Mit heimischem Speisekürbis, der Ende Oktober Saison hat, gelingt das gut; mehr dazu im Artikel über Fisolen, Karfiol und Kürbis. Auf vielen Ofrendas stehen außerdem Mole und Tamales, Gerichte, die viel Arbeit machen und deshalb für besondere Anlässe gekocht werden: Mole Poblano und Tamales mit Mole Poblano. Dazu passt ein warmer Champurrado.

Catrina, Schädel und Missverständnisse

Die elegant gekleidete Skelettdame, die man heute überall mit dem Día de Muertos verbindet, geht auf eine satirische Grafik des mexikanischen Künstlers José Guadalupe Posada zurück; der Name „Catrina“ wurde später durch den Maler Diego Rivera bekannt. Heute ist die Catrina ein beliebtes Kostüm und Motiv.

Ein paar Dinge, die häufig falsch verstanden werden:

  • Der Día de Muertos ist kein „mexikanisches Halloween“. Er fällt zeitlich nah daran, hat aber einen anderen Ursprung und eine andere Bedeutung: Es geht um das Gedenken an konkrete Verstorbene.
  • Er ist nicht morbide. Der Umgang mit dem Tod ist offen, oft humorvoll, aber nie respektlos gegenüber den Toten.
  • Totenkopf-Schminke allein ist keine Ofrenda. Wer den Tag wirklich begehen will, beginnt beim Erinnern, nicht beim Kostüm.

Einkaufen für Día de Muertos in Österreich

Das meiste für Pan de muerto und Calabaza en tacha bekommen Sie im Supermarkt: Mehl, Germ, Butter, Eier, Orangen, Kürbis, Zimt, brauner Zucker als Ersatz für Piloncillo. Für Mole und Tamales braucht man dagegen getrocknete Chilis, Masa harina und Maisblätter, die es vor allem im Fachhandel und online gibt. Wo, steht in unseren Artikeln über getrocknete Chilis und Tamales in Österreich. Da viele dieser Zutaten lange haltbar sind, lohnt es sich, schon Mitte Oktober einzukaufen.

Edmond Bojalil
Edmond Bojalil

Gründer, Recetas Mexas

Mexikaner aus Puebla, IT-Profi und Foodie. Autor von über 1.000 authentischen mexikanischen Rezepten, angepasst für Küchen auf der ganzen Welt. Lebt seit 2018 in Madrid.

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