
24.165 Mexikaner leben in Deutschland. Die Zahl ist zu klein — und zwar systematisch
Das Ausländerzentralregister zählte am 31.12.2025 genau 24.165 Mexikanerinnen und Mexikaner. Die Statistik ist mehrheitlich weiblich, extrem jung — und sie schrumpft jedes Mal, wenn jemand bleibt.
Am 31. Dezember 2025 waren im Ausländerzentralregister 24.165 Menschen mit mexikanischer Staatsangehörigkeit in Deutschland erfasst. Das sind 0,17 % aller 14.070.225 hier lebenden Ausländerinnen und Ausländer — ungefähr einer von 580.
Es ist eine kleine Zahl. Sie erklärt nicht, warum es in Berlin und München Taquerías gibt, die ihren Mais selbst nixtamalisieren, und sie erklärt erst recht nicht die Regale voller Chiles in den deutschen Onlineshops.
Der Grund dafür steht ein paar Tabellen weiter: Die Zahl ist so gebaut, dass sie kleiner wird, je besser die Gemeinschaft ankommt.
Erstens: Es sind mehrheitlich Frauen
Von den 24.165 sind 13.495 Frauen und 10.675 Männer — 55,8 % weiblich.
Das ist das Gegenteil des deutschen Normalfalls. In der ausländischen Bevölkerung insgesamt stehen 7.359.795 Männern 6.710.430 Frauen gegenüber; sie ist zu 52,3 % männlich. Bei der mexikanischen Staatsangehörigkeit kippt das Verhältnis um mehr als acht Prozentpunkte in die andere Richtung.
Der Frauenüberschuss ist auch kein neues Phänomen. Er steht schon in der ersten verfügbaren Zeile der Reihe: 2014 waren es 7.284 Frauen und 6.685 Männer.
Zweitens: Es ist eine Gemeinschaft von Dreißigjährigen
| Alter | Personen |
|---|---|
| unter 20 | 1.770 |
| 20 bis unter 25 | 2.215 |
| 25 bis unter 30 | 4.155 |
| 30 bis unter 35 | 5.810 |
| 35 bis unter 40 | 4.225 |
| 40 bis unter 45 | 2.445 |
Zwischen 25 und 40 liegen 14.190 Menschen — 58,7 % aller Mexikaner in Deutschland. Die stärkste Fünfjahresgruppe ist 30 bis 35.
Nur 400 Personen dieser Gruppe sind in Deutschland geboren, und davon sind 260 jünger als sechs Jahre. Eine zweite Generation, wie es sie bei älteren Einwanderungsgruppen gibt, existiert hier praktisch noch nicht. Sie fängt gerade erst an.
Drittens: Die meisten sind noch nicht lange da
| Aufenthaltsdauer | Personen |
|---|---|
| unter 1 Jahr | 2.355 |
| 1 bis unter 4 Jahre | 7.640 |
| 4 bis unter 10 Jahre | 8.295 |
| 10 bis unter 20 Jahre | 4.295 |
| 20 Jahre und mehr | 1.575 |
41 % sind seit weniger als vier Jahren hier. Aber ganz unten in der Tabelle stehen auch 235 Menschen, die seit 40 Jahren oder länger in Deutschland leben. Beides ist wahr: eine sehr junge Zuwanderung mit einem kleinen, alten Kern.
Wofür sie kommen, steht in der Aufenthaltsstatistik. Von 17.155 Personen mit Aufenthaltstitel entfallen 4.955 auf Erwerbstätigkeit, 4.160 auf familiäre Gründe und 2.840 auf Ausbildung. Aus völkerrechtlichen, humanitären oder politischen Gründen: 55. Das ist eine Arbeits- und Studienmigration, keine Fluchtmigration.
Wo sie leben
| Bundesland | Mexikanische Staatsangehörige |
|---|---|
| Bayern | 4.985 |
| Nordrhein-Westfalen | 3.835 |
| Baden-Württemberg | 3.760 |
| Berlin | 3.155 |
| Niedersachsen | 1.920 |
| Hessen | 1.740 |
| Hamburg | 1.215 |
Die drei großen Flächenländer führen die Liste an, was wenig überrascht. Interessant ist die vierte Zeile.
Berlin ist ein Stadtstaat und liegt trotzdem fast gleichauf mit Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. 13,1 % aller Mexikaner in Deutschland leben in dieser einen Stadt. Nordrhein-Westfalen hat rund fünfmal so viele Einwohner und nur 680 Mexikaner mehr.
Rechnet man Berlin, Hamburg, Bayern und Hessen zusammen — also grob die Länder mit den fünf Städten, in denen die mexikanischen Restaurants und Läden sitzen —, kommt man auf 11.095 Menschen, 46 % des Gesamtbestands.
Der Vergleich, den man kennen sollte
Mexiko ist nicht die größte lateinamerikanische Gruppe in Deutschland.
| Staatsangehörigkeit | Personen |
|---|---|
| Brasilien | 58.890 |
| Kolumbien | 36.005 |
| Mexiko | 24.165 |
| Venezuela | 18.140 |
| Peru | 13.970 |
| Chile | 12.625 |
| Argentinien | 10.200 |
Brasilien hat zweieinhalbmal so viele. Und doch findet man in deutschen Städten mehr mexikanische Restaurants als brasilianische. Größe der Gemeinschaft und kulinarische Sichtbarkeit hängen offenbar nicht zusammen — wer eine Küche populär macht, ist nicht unbedingt die Gemeinschaft, die sie mitgebracht hat.
Eine Zahl noch zur Einordnung: Für die gesamte Region „Mittelamerika und Karibik" weist das Register 54.275 Personen aus. Mexiko allein stellt davon 44,5 %.
Und jetzt der Teil, warum 24.165 zu wenig ist
Hier wird es interessant. Denn die Statistik hat einen eingebauten Abfluss.
Wer Deutscher wird, verschwindet aus ihr.
| Jahr | Einbürgerungen mexikanischer Staatsangehöriger |
|---|---|
| 2021 | 665 |
| 2022 | 615 |
| 2023 | 680 |
| 2024 | 975 |
| 2025 | 1.234 |
In fünf Jahren wurden 4.169 Mexikanerinnen und Mexikaner deutsch — gemessen am heutigen Bestand entspricht das mehr als jedem sechsten. Jeder einzelne von ihnen ist am Tag der Einbürgerung aus der Zahl „Mexikaner in Deutschland" herausgefallen.
Allein 2025 waren es 1.234 Personen, 5,1 % des Bestands in einem einzigen Jahr.
Das ist kein mexikanisches Sonderphänomen: Bundesweit stiegen die Einbürgerungen von 200.095 (2023) auf 333.343 (2025). Aber es bedeutet, dass die Frage „Wie viele Mexikaner leben in Deutschland?" mit dieser Tabelle gar nicht beantwortbar ist. Sie beantwortet nur: Wie viele leben hier und haben noch einen mexikanischen Pass ohne deutschen dazu.
Wie diese Einbürgerungen zustande kamen, steht ebenfalls in den Daten: 1.002 über die Regelmindestaufenthaltsdauer nach § 10 Abs. 1 StAG, 91 als Ehe- oder Lebenspartner von Deutschen nach § 9 StAG, 78 als miteingebürgerte Familienangehörige.
Die 48, die aus einem anderen Jahrhundert kommen
Und dann steht dort eine Zeile, die mit Migration von heute nichts zu tun hat.
48 der 1.234 Einbürgerungen erfolgten 2025 nach Artikel 116 Absatz 2 des Grundgesetzes und § 15 StAG — der Wiedergutmachungsregelung. Sie gilt für Menschen, denen das NS-Regime zwischen 1933 und 1945 die deutsche Staatsangehörigkeit aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen entzogen hat, und für ihre Nachkommen.
48 Menschen aus Mexiko haben 2025 eine Staatsangehörigkeit zurückbekommen, die einem Vorfahren genommen wurde.
Zur Einordnung, damit die Zahl nicht größer wirkt, als sie ist: Weltweit wurden auf dieser Grundlage 2025 insgesamt 12.011 Menschen eingebürgert, die meisten davon aus Israel (5.930) und den Vereinigten Staaten (2.890). Aus ganz Mittelamerika und der Karibik waren es 122 — 39 % davon aus Mexiko. Aus Brasilien kamen 220, aus Argentinien 165.
Mexiko nahm in den 1930er und 1940er Jahren Verfolgte aus Europa auf. Neunzig Jahre später ist das in einer deutschen Einbürgerungstabelle noch als dreistellige Zeile sichtbar.
Eine Warnung zur Messung selbst
2025 verzeichnet das Register 3.540 Zugänge und 3.250 Abgänge, netto also ein Plus von gut 200 — bei einem Wanderungssaldo von 1.555 aus dem Ausland.
Die Differenz steckt in einer einzigen Zeile: 1.310 der 3.250 „Abgänge" waren Registerlöschungen. Das sind über 40 % — keine Menschen, die Deutschland verlassen haben, sondern Datensätze, die bereinigt wurden. Dazu kommen 1.610 tatsächliche Fortzüge ins Ausland, 305 Abmeldungen, 20 Sterbefälle und 70 Geburten auf der Gegenseite.
Wer also aus der Jahresveränderung ablesen will, „wie viele gegangen sind", liest die falsche Zahl.
Ein zweites Beispiel für dasselbe Problem: Für 2025 finden sich in den amtlichen Tabellen drei verschiedene Zahlen zu den mexikanischen Einbürgerungen — 1.234, 1.232 und 1.184. Sie widersprechen sich nicht, sie zählen Verschiedenes: 1.234 sind alle Einbürgerungen, 1.184 davon erfolgten im Inland (plus 2 im Ausland und die 48 Wiedergutmachungsfälle), und 1.232 ist die Zahl der Verfahren, die mit einer Einbürgerung als Erstentscheidung endeten. Wer eine der drei Zahlen ohne ihre Definition zitiert, zitiert sie falsch.
Was das für die Küche heißt
Die Kurve selbst ist eindeutig: 2014 waren es 13.969, 2025 sind es 24.165. Ein Plus von 73 % in elf Jahren — mit einem einzigen Rückgang, 2020, dem Pandemiejahr, als die Zahl von 18.015 auf 17.755 fiel.
Rechnet man die 4.169 Einbürgerungen der letzten fünf Jahre hinzu — die Menschen sind ja nicht weg, sie sind nur anders gezählt —, liegt man deutlich über 28.000. Und die 400 in Deutschland geborenen Kinder mit mexikanischem Pass sind nur die Spitze einer zweiten Generation, die überwiegend gar nicht in dieser Statistik auftaucht, weil sie deutsche Pässe hat.
Für die Frage, warum ein Laden in München seinen eigenen Mais nixtamalisiert, ist das die brauchbarere Zahl. Nicht 24.165 Menschen mit einem bestimmten Pass, sondern eine wachsende, junge, mehrheitlich weibliche, städtisch konzentrierte Gemeinschaft, deren Größe die amtliche Statistik strukturell untertreibt — weil sie die Erfolgreichsten aus der Zählung entlässt.

Gründer, Recetas Mexas
Mexikaner aus Puebla, IT-Profi und Foodie. Autor von über 1.000 authentischen mexikanischen Rezepten, angepasst für Küchen auf der ganzen Welt. Lebt seit 2018 in Madrid.
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