
Wir haben die „Mexikanische Woche" im Supermarkt gesucht. Wir haben sie nicht gefunden
24.000 geprüfte Adressen bei sechs deutschen Handelsketten, kein einziger Hinweis auf eine Mexiko-Aktionswoche. Was es stattdessen gibt, ist dauerhaft — und was wir nicht prüfen konnten, sagen wir auch.
Es gehört zum Allgemeinwissen über deutsche Discounter: Irgendwann im Jahr ist Mexiko-Woche. Dann stehen Taco-Schalen, Salsa und Tortillachips in der Mittelgang-Aktionsfläche, eine Woche lang, und danach sind sie wieder weg.
Wir wollten wissen, wann. Also haben wir am 24. September 2026 in den Seitenverzeichnissen der Ketten nachgesehen.
Das Ergebnis ist ein Nicht-Ergebnis — und das ist selten und deshalb berichtenswert. Wir haben in 24.000 geprüften Adressen keinen einzigen Hinweis auf eine mexikanische Aktionswoche gefunden.
Was wir gefunden haben, ist etwas anderes, und zwar etwas Besseres. Und es gibt einen ganzen Absatz darüber, was dieses Nicht-Ergebnis nicht bedeutet, denn das ist der Teil, an dem die meisten solchen Recherchen scheitern.
Was wir gesucht haben, und wo
Wir haben die öffentlichen Seitenverzeichnisse (Sitemaps) von sechs Ketten heruntergeladen und vollständig nach den Begriffen mexi, mexik, tequito, tortilla, taco, chili, Aktionswoche, Themenwoche, Länderwoche durchsucht.
| Kette | geprüfte Adressen | Treffer zu „mexi" |
|---|---|---|
| Lidl (Produkte) | 13.453 | 0 |
| ALDI Süd | 1.717 | 14 |
| ALDI Nord | 2.261 | 0 |
| EDEKA | 3.390 | 2 |
| Globus | 2.799 | 1 |
| Penny | 447 | 0 |
Treffer für „Tequito": null. Treffer für „Aktionswoche", „Themenwoche" oder „Länderwoche" in Verbindung mit Mexiko: null.
Der eine Globus-Treffer entpuppte sich bei der Prüfung als „Aktionswoche gegen Lebensmittelverschwendung" — ein Fehltreffer, den wir ausdrücklich verwerfen.
Und der einzige Treffer für „chili" im gesamten Lidl-Produktverzeichnis ist eine Edelstahl-Chilimühle. Kein Lebensmittel.
Was es stattdessen gibt: ein Dauerregal, kein Ereignis
Alle 14 „mexi"-Treffer bei ALDI Süd führen an dieselbe Stelle: /rezepte/internationale-rezepte/mexiko. Keiner davon ist ein Produkt, keiner eine Aktion.
Es ist eine dauerhafte Rezeptrubrik, und Mexiko steht darin als eines von dreizehn Ländern:
Amerika · Asien · China · Deutschland · Frankreich · Griechenland · Indien · Italien · Japan · Mexiko · Polen · Spanien · Vietnam
Neun mexikanische Rezepte liegen dort — Burritos, Quesadillas, Enchiladas aus dem Ofen, gefüllte Taco-Schalen, hausgemachte Tortillachips mit Guacamole.
Das ist die eigentliche Antwort auf die Ausgangsfrage. Mexiko ist bei ALDI Süd keine Woche, sondern eine Schublade — dauerhaft eingerichtet, gleichrangig neben Japan und Griechenland. Bei EDEKA sieht es genauso aus: Die zwei Treffer sind eine permanente Rezeptseite, kein Angebot.
Eine Beobachtung am Rande, die für Kochende relevanter ist, als sie klingt: Im selben Rezeptbaum von ALDI Süd stehen unter Spanien zwei Rezepte mit „Tortilla" im Namen — Erbsen-Tortilla und gefüllte Tortilla-Rollen. Das ist die spanische Eierspeise, nicht das mexikanische Maisfladenbrot. Zwei völlig verschiedene Dinge, ein Wort, ein Suchfeld. Wer im Supermarkt online „Tortilla" eingibt, sollte wissen, dass er beides bekommt.
Und jetzt der wichtige Teil: was das nicht beweist
Ein Nicht-Fund ist nur so viel wert wie das Messgerät. Unseres hat vier klare Grenzen, und wir nennen sie, bevor jemand diesen Text als „Discounter führen nichts Mexikanisches" zitiert.
Erstens: Lidls Online-Katalog ist Non-Food. Die 13.453 geprüften Lidl-Produktadressen enthalten keine Lebensmittel — das sieht man schon daran, dass der einzige Chili-Treffer eine Gewürzmühle ist. Dass dort keine Tortilla auftaucht, sagt über das Regal in der Filiale exakt nichts.
Zweitens: Die Prospekte konnten wir nicht lesen. Die Angebotsseiten von Lidl und ALDI Süd antworten zwar, liefern aber nur ein leeres Programmgerüst; der eigentliche Prospektinhalt wird erst nachträglich nachgeladen. Eine Mexiko-Aktion in dieser Woche hätten wir so nicht gesehen. Das ist eine Grenze unseres Werkzeugs, kein Befund.
Drittens: Vier von zehn Ketten haben uns komplett abgewiesen. REWE, Kaufland, Netto und Metro antworten auf Startseite, robots.txt und Sitemap durchgängig mit HTTP 403. Über diese vier Ketten wissen wir aus dieser Recherche nichts.
Viertens — und das ist der Fehler, den wir bei uns selbst gefunden haben: Wir wollten zunächst prüfen, ob die Marke „El Tequito" im Markenverzeichnis von Lidl steht. Das Verzeichnis listet 776 Marken. Nur enthält es die Marken ausschließlich als Nummern — b307, b6135, b1786. Keine Namen. Eine Suche nach „Tequito" darin ergibt zwangsläufig null Treffer, unabhängig davon, ob die Marke existiert. Das ist kein Beweis, das ist ein kaputtes Messgerät, und wir werten es nicht.
Die Falle, die fast jeder Prüfung standhält
Damit zusammen hängt ein Detail, das wir jedem empfehlen, der Onlinesortimente prüfen will.
Ruft man bei Lidl die Markenseite für el-tequito auf, antwortet der Server mit HTTP 200 und etwa 318 Kilobyte Inhalt. Das sieht nach einer Bestätigung aus.
Wir haben dieselbe Adresse dann mit zwei frei erfundenen Marken aufgerufen — asdkjqwe123nonexistent und voellig-erfundene-marke-xyz42. Beide antworteten ebenfalls mit HTTP 200 und rund 318 Kilobyte.
Die Seite antwortet also identisch, egal ob die Marke existiert oder nicht. Ein 200 beweist hier gar nichts — weder in die eine noch in die andere Richtung.
Drei Richtigstellungen, die uns unterwegs passiert sind
Casa Morando ist nicht die mexikanische Linie von ALDI. Die Produkte unter diesem Namen sind italienisch und mediterran: Olivenöl, Bolognese, Pesto, Antipasti, Pizzen. Wer den Namen für eine Mexiko-Eigenmarke hält, sucht im falschen Regal.
El Tequito gehört zu Lidl, nicht zu ALDI. Die amerikanische Eigenmarke von ALDI heißt McEnnedy. Deren Markenseite bei ALDI Süd meldete am Prüftag: „Entschuldigung, es gibt keine Produkte für die von dir gewählte Marke." Ob das heißt, dass gerade nichts im Sortiment ist, oder ob die Liste nur nachgeladen wird und unser Werkzeug sie nicht sieht, können wir nicht unterscheiden — also behaupten wir keins von beidem.
Und eltequito.de ist weder Lidl noch ein Onlineshop. Es ist ein mexikanisches Restaurant in Hamburg, das auf seiner eigenen Seite schreibt: „Seit 1991 ist das ‚El Tequito', nahe der Reeperbahn, am St. Pauli Fischmarkt ansässig." Der Name ist doppelt belegt; das Lokal hat mit der Supermarktmarke nichts zu tun.
Was die Marken selbst sagen
Wenn die Ketten nichts preisgeben, bleibt der Weg über die Hersteller. Auch der ist aufschlussreich.
Santa Maria — die Marke gehört zur finnischen Paulig-Gruppe — führt ihre Tortillas, Taco-Saucen und Würzmischungen auf der eigenen Website nicht unter „mexikanisch", sondern unter der Rubrik „Tex Mex". Das ist keine Nachlässigkeit, das ist eine zutreffende Selbsteinordnung.
Old El Paso (General Mills) beschreibt seine Wrap-Tortillas ausdrücklich als „runde, dünne Teigfladen aus Weizenmehl". Auch das ist ehrlich: Weizenwraps sind Weizenwraps.
Mission Foods ist der interessanteste Fall. Die deutsche Adresse mission-foods.de existiert nicht mehr; erreichbar ist missionfoods.eu. Das Unternehmen gehört zur mexikanischen Gruppe GRUMA — dem größten Tortillakonzern der Welt. Und es vermarktet sich in Europa als „Europe's Leading Flat Bread company", mit den Kategorien Tortillas & Wraps, Flatbreads und Chips.
Der mexikanischste Konzern im Regal verkauft sich in Europa also als Fladenbrothersteller. Das ist womöglich die ehrlichste Zusammenfassung des gesamten Marktsegments.
Eine echte mexikanische Marke — nicht Tex-Mex, sondern mexikanisch — haben wir in keinem der geprüften Kettensortimente gefunden. Und, wichtig: In keiner der zehn Ketten konnten wir auch nur einen einzigen Preis auslesen. Produktlisten und Preise werden überall erst per JavaScript nachgeladen.
Die kurze Fassung
Nicht gefunden: irgendeinen Beleg für eine „Mexikanische Woche" oder „Mexiko-Aktion" bei Lidl, ALDI Süd, ALDI Nord, EDEKA, Penny oder Globus.
Gefunden: eine dauerhafte Mexiko-Rezeptrubrik bei ALDI Süd, gleichrangig mit zwölf anderen Ländern, und dasselbe Muster bei EDEKA.
Nicht prüfbar: die aktuellen Prospekte, die Filialsortimente, und vier von zehn Ketten überhaupt.
Wenn Sie also auf die Mexiko-Woche warten: Wir können Ihnen nicht sagen, dass es sie nicht gibt. Wir können Ihnen sagen, dass wir sie in 24.000 Adressen nicht gefunden haben — und dass das, was wir stattdessen gefunden haben, das ganze Jahr über da ist.

Gründer, Recetas Mexas
Mexikaner aus Puebla, IT-Profi und Foodie. Autor von über 1.000 authentischen mexikanischen Rezepten, angepasst für Küchen auf der ganzen Welt. Lebt seit 2018 in Madrid.
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